gepard14
Schützenstrasse 14
CH-3097 Liebefeld

 

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Maja Vogelsanger

WORTE SÜSSSAUER

 

Einladung zur Ausstellungseröffnung  

Freitag 20. Mai 2022 18 Uhr

Einleitung: Kathrin Racz

 

Öffnungszeiten:

Samstag 21. und Sonntag 22. Mai 14-19 Uhr

 

 

Die Künstlerin Maja Vogelsanger fragte Bekannte, welches Tier, Objekt, Nahrungsmittel, welche Pflanze und welche Landschaft sie wäre, wenn nicht ein Mensch. Die gut 40 Antworten zeigten, wie sehr Worte ihre Bedeutung aus persönlichen Erlebnissen beziehen. Dasselbe Wort kann für zwei Menschen eine völlig andere Bedeutung haben. Im besten Fall führt dies zu freudigen, im schlechtesten zu schlimmen Überraschungen. Während ihrer Residency im gepard14 untersucht die Künstlerin bestimmte Worte auf deren Inhalt, Bedeutung und Form genauer und verarbeitet sie weiter in Fotos, Objekten, Bildern und zu interaktiven Formaten.

 

Das Projekt WORTE SÜSSSAUER ist über zwei Jahre gewachsen. Es begann als spontanes Fragespiel per e-mail, wuchs über drei Etappen, und endet in der Ausstellung im gepard14.


Ich habe 30 Jahre als Theaterschaffende gearbeitet. Jetzt, wo ich mich wieder vermehrt der Bildenden Kunst zuwende, fliessen die gesammelten Berufserfahrungen in mein Schaffen mit ein. Schauspiel ist die Kunst, die Worte zum Leben erweckt. Worte sind lediglich Hüllen, die jedoch je nach Situation, viel bewegen können. Dass man in Russland den russischen Krieg gegen die Ukraine nicht als «Krieg» bezeichnen darf, zeigt dies auf eindrückliche Weise.


Die Kriegssituation hat das bisher leichtfüssige Projekt, hat mich, eingeholt. WORTE SÜSSSAUER wurde sozusagen zum «Ernstfall»; aus heiter wurde ernst. Natürlich macht dieses Kriegsgeschehen auch mich betroffen. Nebst dieser Betroffenheit stellt sich mir die Frage: Was kann ich tun? Welche Gedanken, was für Überlegungen sind in diesem Zusammenhang weiterführend? Und wie lassen sie sich mittels Kunst darstellen?


So befasse ich mich momentan intensiv mit diesen Fragen. Aber eigentlich wünschte ich mir, dass Krieg und seine Folgen gar kein Thema wären. Ich möchte lieber hoffen, dass das Grauen bald ein Ende hat...


Köniz im April 22, Maja Vo.

 

 

WORTE SÜSSSAUER  

Was ursprünglich als Ego-Fotoprojekt während des Lockdowns geplant war, entwickelte sich im Laufe der Zeit zur komplexen Ausstellung WORTE SÜSSSAUER.
Die Künstlerin und Theaterfrau Maja Vogelsanger hat im Dezember 2020 während des Lockdowns zehn Personen gefragt, was sie, Maja, wäre, wenn nicht ein Mensch, sondern ein Gegenstand, ein Tier, eine Pflanze, ein Nahrungsmittel oder eine Landschaft!

«Erkenne dich selbst» stand angeblich über dem Orakel von Delphi und die Frage nach dem «Wer bin ich?», und nach dem «Wie sehen mich die anderen?» beschäftigt uns wohl alle von Zeit zu Zeit.
 
Fünf Wörter genügen als Antwort, liess sie die Befragten wissen. Zu den selbst auferlegten Spielregeln gehört, dass Nachfragen nicht erlaubt ist.
Als vierzig Antworten eintrudeln führt das zu einigen Überraschungen. Sie merkt, dass sie sich mit diesen Fragen nicht den anderen ausgeliefert hat, sondern vor allem sich selbst.  Beginnt sie doch jede Antwort zu interpretieren und darauf hin zu untersuchen, was genau diese mit ihr zu tun habe.
Was hat es zu bedeuten, wenn gleich zwei Personen finden als Land wäre sie Island, dort wo sie so unglücklich war? Ein garstiges Land schreibt sie in ihrem Tagebuch, das ihr «Egoprojekt» wie sie es nennt, begleitet.
Sind die eingegangenen Antworten ernst gemeint oder humorvoll?
Was ist eine Araukarie? Sie schreibt: ich komme nicht von Nadel und Stachelgehölzen weg. Muss wirklich schlimm sein mit mir.
Ihr scheint, dass sie viele Antworten zuerst einmal negativ deutet. Die Frage nach dem Warum wirft sie ganz auf sich selbst zurück, auf die Frage: Wer bin ich wirklich?

Wörter sind eine Sache - deren Deutung und Entzifferung eine völlig andere.
Maja stellt in ihrem Tagebuch fest, dass Worte Hülsen sind, Behälter oder Verpackungen! Was gibt einem Wort seine Bedeutung? Nur, das, was wir hineininterpretieren und das kann sehr schnell zu Missverständnissen führen.
Sie interessiert sich je länger je mehr für die Subjektivität von Worten, wie sie es nennt.

Für die Ausstellung im Kunstraum gepard14 hat Maja Vogelsanger enorm viele Ideen zur Umsetzung des Themas. Vom Theater herkommend ist es ihr Beruf «Geschriebenes» mit Fantasie und Können in lebendige Dialoge, Bewegungen und Bilder umzusetzen.

Ebenfalls klar ist, dass sie weg vom Thema Ego will. Sie schreibt:
hin oder wegzoomen?
von eng zu weit
von nah zu fern, weg von EGO, ich brauche Distanz
raus aus dem Wühlen in Details
hin zu einem Überblick und zur Weitsicht
einen neuen Standpunkt einnehmen - eine neue Perspektive erhalten
aufstehen und schon öffnet sich Weitsicht
…..
letztlich macht der weite Blick mein Leben reich
der Enge macht es ärmlich
weg von mir – hin zu den Anderen

Die geplanten Fotos werden gleich zu Beginn des Projekts umgesetzt. Sie enthalten alle nebst einem Selbstportrait immer eine der Antworten aus der Umfrage.
Zuweisungen, von denen sie findet, dass sie mit ihr nichts zu tun haben, werden malerisch umgesetzt.
Sie beschäftigt sich intensiv mit Hüllen und Verpackungen. Versteckt dort auch ihre Fassungslosigkeit und Fragen zur aktuellen politischen Situation.
Spielerisch lässt sie sich auf weitere Experimente ein. Sie erörtert das "Chratzige", fordert die Besucher*Innen auf, Worthülsen zu knacken, und lädt uns alle auf ein Wort ein!

Kathrin Racz