gepard14
Schützenstrasse 14
CH-3097 Liebefeld

info@gepard14.ch
 

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peter clemens brand

salon

 

salon "was ist zu sagen?"- jeweils 18-20uhr am

 

5. april mit sounds von: MR. MANIDY - silence
19. april mit sounds von: NEUNHUNDERT (audio-live-performance)
5. mai mit deinem sound - BRING YOUR OWN VINYL
 
vernissage: freitag 25. mai 2018  18uhr


und offen am samstag 26.mai und sonntag 27.mai
von 14-16uhr


Im gepard14 organisiere ich einen Salon unter dem Titel „Was ist zu sagen?“.
An drei Abenden kann der eigene Blick auf die Welt eingebracht werden.
Ich lege dazu meine Sammlung von Blättern aus, welche Bilder, Texte und weiteres zeigen, die mich inspirieren.
In einem öffentlichen Gespräch soll mit einem „offenen Blick für die Welt“ diskutiert werden:
... was inspiriert? Was hängt wie zusammen? Was sind die Geschichten dahinter?
Alle sind eingeladen mitzudiskutieren. DJ’s spielen im Anschluss ihre Sounds. Und mit „Bring Your Own Vinyl“ kannst du persönliche „Lieblingsmusik“ mitbringen, welche am Anlass abgespielt wird.
Eindrücke aus dem Salon greife ich in Zeichnungen auf und führe sie inhaltlich weiter. So bildet sich eine Werkgruppe, die den Salon spiegelt und auf zeichnerische Weise dokumentiert.
pcb

 

Einladung als PDF

 

Bildergalerie

 

 

Peter Clemens Brand: was ist zu sagen? gepard14 25.-27. 5.2018

 

Untermalt von Songs ab einem Plattenspieler diskutiert ein Kreis Kunstaffiner ausgesuchte Blätter mit Zeitungsausschnitten und Fotos aus dem persönlichen Archiv des Künstlers Peter Clemens Brand, so das Szenario. Drei Abende öffnet der Künstler während seines Gastaufenthaltes im gepard14 die Türen und lädt zum Austausch ein. An der Wand hat er über einer stilisierten Weltkugel die Frage «was ist zu sagen?» aufgemalt. Was unbeabsichtigt etwas nach einem Grassschen Diktum tönt, könnte je nach Thema auch kippen. Deshalb schuf der Künstler bei aller Offenheit eine Ausgangslage mit klaren Leitplanken: Die Einladung zeigt eine handschriftliche Definition des Begriffs «Salon», skizziert so das Format der drei Treffen im Vorfeld der Ausstellung. Diese etwas altertümliche Form des gesellschaftlichen Austausches ergibt einen besonderen Rahmen. Die für den Künstler hergestellten Präsentationstische mit Glasfläche rahmen mit ihren umlaufenden Leisten das Archivmaterial physisch. Ein rotziges DJ Pult mit Farbspuren und vier Zeichnungen von Architekturdetails, mit neonfarbenem Filzstift gezeichnet, hinter Glas an der Wand lehnend, dienen dazu, sich den Raum anzueignen und Akzente zu setzen. Der Raum hinterlässt einen kühlen, fast loft-artigen Eindruck, im Gegensatz zu Brands Ateliers in seinem Apartment respektive seinem Haus, die mit Holz, Balkon und grosser Fensterfläche deutlich wohnlicher wirken.

Was ist aber nun der Versuch, das Experiment? Die Bildsprache des stillen und konsequenten Arbeiters Peter Clemens Brand ist gleichgeblieben. Die «präzise Skizzenhaftigkeit», um es als Paradoxon zu formulieren, zeichnet auch die Blätter im gepard14 aus – neu ist, dass der Künstler seinen Produktionsprozess teilweise öffentlich macht. Für den sensiblen Künstler ein Wagnis. Zum ersten Termin mit einer durchmischten Auswahl aus seinem Archiv, vor allem Fotos verschiedenen Ursprungs, zum zweiten mit Collagen und Skizzen und zum dritten mit Notizen und Durchmischtem, wie Geschenkpapier, das quasi als Beifang ins Archiv gelangte. Entsteht durch Konversation Inspiration? So könnte die Leitfrage der von Peter Clemens Brand geschaffenen Versuchsanordnungen lauten.

Am ersten Abend war die Gruppe klein und bestand weitgehend aus Kunstschaffenden, die auf das Spiel eingingen und freudig assoziierten. Brand setzte danach jedoch keine Geschichten direkt um, sondern nutzte einige der zuvor ausgewählten Vorlagen, um danach Zeichnungen anzufertigen. Die Umsetzung kontinuierlicher Narration widerspricht eher Brands Blättern, die einen zeichenhaften Charakter haben. Am zweiten Abend offenbarten sich die Collagen als relativ uninteressant, da mit der Kombination schon zu klar definiert. Was dort die Anwesenden bewegte, war die Auswahl und der Hintergrund eines bestimmten Motives, einer «Kampfgruppe», die Fragen nach deren Nutzung als Vorlage aufwarfen. Weit interessanter jedoch waren die Skizzen, wo es durch die Anwesenheit einiger Zeichnenden aus verschiedenen Professionen zu einer Diskussion über das Medium an sich kam. Aus dieser grundlegenden Diskussion griff Peter Clemens Brand Begriffe abstrakter, ja konzeptueller Natur auf, wie die «Kombination», zusätzlich zur weiteren Arbeit mit gewissen Vorlagen. Beim dritten Treffen hatte Peter Clemens Brand die Plattencover, die er als Vorlagen auflegen wollte, verworfen zugunsten von Textbausteinen, Notizen und gewisser Blätter mit Geschenk- und Verpackungspapieren, die ihn als Oberfläche faszinieren. Dazu liefen die mitgebrachten Vinylscheiben der Gäste als musikalischer Rahmen an einem Samstagabend. Die Stimmung war gelöst. Der gesellschaftliche Austausch stand im Zentrum. Jedoch verloren so die Archivmaterialien den Kampf um Aufmerksamkeit weitgehend. Brand nutzte in der Folge wiederum nicht spezifische Motive eines Covers, sondern erneut Sprachmaterial. Vor allem Songtitel, die in ihrer Prägnanz, wie sie einen Musiktitel benennen und zugleich dessen Gehalt andeuten, dem Umgang mit Begriffen in der Arbeit von Brand ähnlich sind, flossen in die Zeichnungen ein. Peter Clemens Brand bewertet das Experiment als eine gelungene Reflexion über die eigene Arbeitsweise. Die Prozesse, die im Zentrum gestanden hätten, hätten im Salon als solcher mit Gesprächen und Sounds von Mr. Manidy und Neunhundert funktioniert. Generell hat sich gezeigt: Da Brand mit einem festen persönlichen Bildreservoir arbeitete, das er vorausgewählt und mitgebracht hat, fand der Salon in diesem Bereich wenig Niederschlag. Hingegen ist auf der Ebene der Sprache in den Zeichnungen, wo der Künstler weniger festgelegt ist, deutlich eine Resonanz zu beobachten.

Als Fazit von Brands Versuchsanordnung dient materiell die Zeichnungsauswahl, die nun in der Ausstellung zu sehen ist. Mit den rund 50 gezeigten Zeichnungen versammelt er alle Blätter, die im gepard14 entstanden sind und die er als gelungen erachtet. Teilnehmende der Treffen können zwar vielleicht einzelne Motive wiedererkennen und Thematiken der Treffen nachzuspüren. Doch Brand will bewusst eine neue Ausstellungssituation schaffen, die nicht die Entstehung nochmals thematisiert. Vielmehr bergen die zwei Tische und der Rest der Blätter, die am Boden ausgelegt sind, eine weitere Fragestellung. Was könnte eine endgültige Ordnung sein? Die Anzahl ist zu gross für eine klassische Ausstellung und die Anordnung erscheint zufällig. Brand bindet nun die Besuchenden quasi zum Abschluss seines Aufenthaltes im gepard14 in den Auswahlprozess im Anschluss an die Produktion ein. Peter Clemens Brand kehrt so den Prozess um, indem den Zuschauer nun auffordert, für sich persönlich eine Auswahl zu treffen und sich der eigenen Kriterien gewahr zu werden.


Adrian Dürrwang