gepard14
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CH-3097 Liebefeld

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Silvia Fuchs

Formsprache - Formsuche

 

Einladung zur Vernissage am:

Freitag 25. Januar 2019   ab 18 Uhr

Einführung durch Rainer Lawicki, Kunsthistoriker 

 

Öffnungszeiten:

Samstag 26. & Sonnatg 27. Januar 14-18 Uhr

 

Die Künstlerin ist anwesend.

 


Formsprache – Formsuche

"Form" steht für die äussere Gestalt, den Umriss.

Materie wird gestaltet, nimmt Form und mit der Form ihren je eigenen Ausdruck an.

So wie jeder Mensch sein eigenes Schriftbild hat, hat er auch seine eigene Formsprache.

gepard14 bietet Silvia Fuchs während den Monaten Dezember und Januar den Raum, um mit Form zu experimentieren. Form ist ein unendliches Feld. Es geht Silvia Fuchs darum, sich der eigenen Formsprache anzunähern. Ob durch Malerei, Zeichnung oder Plastik. Alles ist möglich. Experimente sind Programm, Scheitern erlaubt und Überraschungen erwünscht.

Silvia Fuchs

 

Einladungskarte

 


Silvia Fuchs – Kunstraum und Gast-Atelier gepard14, Bern-Liebefeld


Formsprache – Formsuche

25. Januar bis 27. Januar 2019


Oder: Das Unbewusste fliessen lassen


Für die Ausstellung im Kunstraum und Gast-Atelier gepard14 ist Silvia Fuchs von mitgebrachten kleinen Kritzelzeichnungen ausgegangen, die Freunde und Bekannte – seltener auch Unbekannte – auf ihren Wunsch hin gemacht haben. Schnelle Zeichnungen, ohne nachzudenken, spontane Spuren auf dem Papier. Den Bewegungen auf den kleinen Papierflächen ist Silvia Fuchs nachgegangen und hat daraus Formen entwickelt, die nun in die Gemälde eingeflossen sind. Alle Werke, die jetzt an den Wänden hängen – oder an die Wand angelehnt sind –, entstanden im Kunstraum, im Hinblick auf die Ausstellung. Dabei ist eine Kreisbewegung entstanden, die mit der Vernissage geschlossen wird: Am Eröffnungsabend wird die Künstlerin die kleinen Zeichnungen übermalen, eine, die vielen unterschiedlichen Bewegungslinien der Zeichnungen, überlagernde Form schaffen.

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Kunstraum / Gast-Atelier gepard14 am 10. Januar 2019 – der Arbeitsraum von Silvia Fuchs.


Silvia Fuchs ist keine lautstarke Künstlerin, die ungeniert an die Öffentlichkeit tritt. Sie arbeitet in einem Gemeinschaftsatelier in den VIDMARhallen, meistens am Morgen, wenn die anderen drei Künstlerkolleg*innen noch nicht da sind. Sie sucht die Ruhe und Konzentration, die Reflexion und behutsame Entwicklung ihrer Ideen in der Malerei und Objektkunst. Sie reagiert auf vorgefundene Dinge, Fundstücke – objets trouvés –, die sie miteinander kombiniert und erweitert (ein wenig wie die Dadaisten und nachfolgend die Surrealisten, die ab den 1916er Jahren künstlerisch unterwegs waren).
Die Objekte von Silvia Fuchs sprechen den Betrachter optisch und haptisch unmittelbar an, sie drängen sich ein wenig auf und fordern Aufmerksamkeit. Ganz anders die Malerei, die eher still ist, den Pinselgestus betont und dennoch in ihrer finalen Gestalt sehr kalkuliert komponiert ist. In der Malerei trifft der Betrachter auf fremde Welten, die mehrdeutig sind und offen bleiben für eine persönliche Auslegung. Sie handeln von dem räumlichen Verhältnis zwischen Figur und Grund. Hier finden sich geschlossene Formen, die ein deutliches Kontur tragen und auf ihrer Fläche mal schweben, mal wie verankert stehen, einer Fläche, die häufig verdunkelt hinter der Form liegt.
Metaphorisch gesprochen tritt eine Lichtform aus dem Dunkel heraus. Das ist mehr als Rhetorik. Denn Silvia Fuchs nutzt den Zufall und spontanes Arbeiten, um in einem kontinuierlichen visuellen Reflexionsprozess das Bild oder das Objekt in seiner finalen Form entstehen zu lassen. Aus dem Dunkel gelangt die Form ans Licht. Sie greift auf ein bildnerisches System zurück, das einen intuitiven Entwicklungsweg zurücklegt. Das ist nichts Neues, denn dies entspricht einer Grundhaltung der ungegenständlichen Kunst, die künstlerisch ihre eigene Welt erschafft.  Die Werke von Silvia Fuchs sind keine abgehobenen Fluchtwelten. Sie greifen im handfesten Sinn auf das Gegebene und Gegenwärtige zurück, sei es durch einen Pinselduktus, der sich am Bild abarbeitet oder durch die Fundstücke, die als Basis und Sockel eine neue Einheit mit ihnen zugefügten und eingepassten modellierten Formen eingehen. Das Verbindende zwischen dem Objekt und der Malerei sind die Farbe und Formelemente, die, wenn beide Gattungen nebeneinander gezeigt werden, schöne Passagen bilden.

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Kunstraum / Gast-Atelier gepard14 am 21. Januar 2019 – die Werke haben ihren Ort gefunden.


Während ihrer Arbeit im gepard14, im Dezember des letzten Jahres und im Januar 2019, war Silvia Fuchs von dem Licht und der Raumgrösse begeistert. Sie hat ausgreifende Formate in der Malerei umsetzen können, die im eigenen Atelier nicht machbar sind. Vor allem aber war ein vergleichendes Malen und Gestalten möglich, denn die Werke an denen sie teilweise gleichzeitig gemalt hat, standen in Sichtkontakt um sie herum. Diesen Werkzusammenhalt sieht man den Bildern an, ebenso auch die konzeptuelle Zusammenführung, die nun in dieser Ausstellung umgesetzt wurde.

Auf vielen Bildern kann das anfängliche teppichartige Liniengespinst noch gesehen oder zumindest erahnt werden, das aus Pinselspuren zusammengesetzt wurde und aus denen eine Form entspringt, sich entwickelt hat, die schliesslich mit einer umfassenden Linie gefestigt wurde. Es entstanden geschlossene Formen, die sich auf der Bildfläche bewegen. Denn tatsächlich sind es Formen, die wie der menschliche Körper eine Bewegungsausrichtung, eine Blickrichtung haben – mal nach links oder rechts schauen oder eigenartig in die Bildfläche ausgreifen. Diesen Aspekt nimmt Silvia Fuchs auch in ihren Bildtiteln auf, die schlicht mit «Form nach links gefaltet» oder «Form mit Öffnung nach rechts» benannt sind.
Die dreidimensionalen Objekte im Ausstellungsraum wiederum sind unmittelbar auf dem Boden gestellt und durch einen dialogischen Bezug miteinander verbunden. Sie formen sich zu kleinen Gruppen, wie wenn Personen sich auf der Strasse begegnen, in ihrem Bewegungsfluss innehalten oder langsam zusammenkommen.

„Am Schluss mache ich die Definition“, das hat mir Silvia Fuchs während unseres ersten Gespräches im gepard14 gesagt – und dies ist ihr in dieser Ausstellung gelungen. Machen Sie sich ein Bild davon.

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«Formsprache – Formsuche», 2018/19, Öl auf Leinwand, fünfteilig, 145 x 232 cm.



Text und Fotografien: Rainer Lawicki

 

Bildergalerie