gepard14
Schützenstrasse 14
CH-3097 Liebefeld

info@gepard14.ch
 

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MAEVAROSSET

SMELLSCAPE

Vernissage 13. September ab 18:00 

Einführung durch Mathias Kobel

 

GEÖFFNET AM:
14. und 15. September
15-18 Uhr

 

 

WORKSHOP UND AUSSTELLUNG
24. August und 13. September

 

www.maevarosset.com
www.gepard14.ch
Schützenstrasse 14, 3097 Liebefeld
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24. August ab 16:00 smellscape workshop
Olfaktorischer Spaziergang und Geruchsgeschichten erzählen
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Einladung als PDF

 

In meiner Arbeit geht es um Kommunikation, Materie, Immaterialität und Zerbrechlichkeit.

Ich versuche das Vergängliche zu erfassen; der Geruch von Regen, Blut, Schweiss. Alle Gerüche, die ermöglichen ein gemeinsames und vielseitiges Erzählverhalten zu erzeugen. Ich thematisiere die Beziehung des Menschen zur Materie, zur Natur, zur Umwelt, zum anderen, zu sich selbst, also zu unserer Realität.


Ein Großteil meiner Arbeit besteht darin, über eine Art Geruchs-Plattform den Austausch zu ermöglichen. Parfüm ist ein Vorwand, denn es ist ein wunderbares Kommunikationsmittel und ein fast unendliches Suchfeld.»

Projekt Gepard14 : Smellscape

Nach einer Residenz Reise in Indien, habe ich ein neues Projekt entwickelt. Gepard14 ist der erste Ausstellungsraum in dem dieses Projekt präsentiert wird.

« Smellscape » ist eine allgemeine Reflexion über den Begriff der olfaktorischen Landschaft im weiteren Sinn. Die Geruchs-Landschaft ist eine kulturelle Konstruktion und eine soziale Produktion, die eine Art der Weltdarstellung zeigt. Aber sie ist vor allem ein Produkt der Kunst, die in der Renaissance geboren ist. Die traditionelle Konzeption der Landschaft ist auf einen einzigen Blickwinkel beschränkt, aber die Idee des « smellscape » ist um uns herum, sie umgibt uns und schließt uns ein.

Welche Düfte prägen eine Landschaft?

Die Identifikation der Landschaft kann mit den Gerüchen verbunden sein, die an ihre physikalische Zusammensetzung und an die Aktivitäten vor Ort gebunden sind. Es ist auch eine ständige Interaktion zwischen dem Besucher und dem Ort, denn der Geruch wird durch den eigenen Geruch des Besuchers beeinflusst und die olfaktorische Wahrnehmung des Besuchers wird durch den Geruch des Ortes beeinflusst. Die olfaktorische Landschaft existiert nicht ohne Besucher.

Meine Hauptforschung ist der « Mitti attar », Regenduft in Kânnauj (Indien). Dieses Parfüm ist einzigartig und wird nur in Kânnauj realisiert. Kunsthandwerker können den Geruch des ersten Regens durch die Destillation der Tonscherben zerbrochener Terrakotta-Töpfen einfangen. Dieser Duft ist stark mit der Herkunftserde und seinem Territorium verbunden. Wie Wein hat dieses Parfüm ein «Terroir». Jeder kennt den Geruch des ersten Regens auf dem Staub (?poussière) dieser ist aber immer ein Extrakt der jeweiligen Umwelt und spiegelt die Zusammensetzung der Erde und deren Vegetation, daher ist der Geruch des ersten Regens für jeden von uns individuell geprägt.

 

 

 

smellscape


Teil 1

Ein spätsommerlicher Nachmittag im Garten in Liebefeld. Personen gehen umher, berühren und beschnuppern mit geschlossenen Augen Blumen, Pflanzen, das Gebüsch, Häuserecken, bücken sich zum Erdboden oder recken sich in die Höhe zu den Baumästen. Im Austausch mit Maeva Rosset, Künstlerin und aktueller Gast im gepard14, erklären die Teilnehmer des Workshops „smell diary“, an was die von ihnen gefundenen und ausgewählten Düfte erinnern: an nasse Flusssteine, Nussöl, Tierurin, Kirschenkonfitüre. Die passenden Worte für die gefundenen Gerüche zu nennen, stellt sich nicht als leichte Übung heraus. Das anschliessende Verschriftlichen der olfaktorischen Eindrücke auf Papier ermöglicht vielleicht einen klärenden Moment.


Teil 2

Gemeinsam mit Giovanni Sammarco, Parfumeur, präsentiert die Künstlerin im zweiten Teil des Workshops im fast leeren Kunstraum unterschiedlichste Duftessenzen aus Indien. Die Düfte sind in flüssiger Form gebunden und werden in kleinen braunen und blauen Flacons gesammelt. Nacheinander dürfen wir die Flacons öffnen und riechen. Auch hier wird versucht, die wahrgenommenen Essenzen zu beschreiben und sich darüber auszutauschen. Fragen werden in den Raum geworfen: Riecht der Duft namens „Mitti attar“ nach Regen? Wie riecht Regen überhaupt? Was hat es mit der Duftnote „Blut“ auf sich? Bei einzelnen Düften braucht es bereits Überwindung, das Flacon zu öffnen – so geschehen beim Duftstoff „Death“. Ein süsslich stechender, verwesender Duft, der einem in die Nase steigt.


Maeva und Giovanni waren diesen Frühling drei Monate mit einem Research-Stipendium von Pro Helvetia in Indien. Dabei arbeiteten sie im gemeinsamen Projekt „smellscape“. Ausgehend von existierenden Orten sammelten sie Gerüche für olfaktorische Landschaften. In Kânnauj, eine Stadt im Norden Indiens, entdeckte die Künstlerin das Parfüm „Mitti attar“. Der Duft des ersten Regens wird durch die Destillation von Tonscherben zerbrochener Terrakotta-Töpfen eingefangen. Ein weiteres Forschungsprojekt sind die „smell diaries“ – persönliche Beschreibungen von Düften und den dazugehörenden Orten unterschiedlichster Personen. Die handschriftlich verfassten Texte auf Papier werden von der Künstlerin gesammelt, teilweise im Raum direkt an die Wand gehängt und laden ein zum selberlesen.


Teil 3

Für die Produktion neuer Parfüme werden heute Duftnoten aus und von unterschiedlichsten Ländern und Orten gesammelt, geprüft, gemischt und im Labor aufbereitet. Düfte beinhalten verschiedenste Duftmoleküle. Durch die Atemluft gelangen solche Moleküle in die Nase auf die Riechschleimhaut und ins Gehirn. Das gleiche Parfüm direkt auf die Haut aufgetragen von unterschiedlichen Personen, kann individuell wirken. Duftnoten werden auch im Innen- oder Aussenraum verschieden wahrgenommen. Sie verbreiten und verflüchtigen sich.


Teil 4

In den Installationen von Maeva Rosset sind Düfte ein essentieller Teil der Arbeit. Ausgehend von einzelnen Duftnoten, auf die die Künstlerin während ihren Recherchen stösst, entstehen neben Objekten olfaktorische und oftmals begehbare und mit dem Geruchssinn erlebbare Landschaften. Für die Ausstellung im gepard14 entwickelt Maeva die Arbeit „smellscape“. Wie ein Duft sich aus unzähligen Molekülen zusammensetzt, entsteht bei Maeva Rosset eine prozessorientierte und aus unzähligen Erfahrungen und Erinnerungen bestehende Arbeit im Raum.



Text: Mathias Kobel