gepard14
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CH-3097 Liebefeld

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Franziska Lauber

"Von Zeichen"


Vernissage: Donnerstag 9. August 2018  18 Uhr

Einführung durch Gabriella Disler,

Bidende Künstlerin MA aus Basel 

 

Öffnungszeiten:

Freitag 10. August  16-18 Uhr

 

Sonntag 12. August  16-18 Uhr

Die Künstlerin im Gespräch mit Eric Maeder,

Philosoph und Ethiker aus Genf


Im gepard14 vereint Franziska Lauber ihre Forschungsgebiete der Mensch-Tier-Beziehung und urbane Räumlichkeiten.

Was braucht die hypermoderne Gesellschaft um die Bewegungen und Bedürfnisse der Menschen im städtischen Umfeld zu organisieren? Den Objekten wohnt meist eine strenge Form inne, um leicht und schnell bei den erhöhten Tempi der Menschen lesbar zu sein. Die entstandenen Zeichnungen im Quartier des gepard14, sind leicht/verspielt und stellen mit ihren organischen Formen neue Verbindungen her. Ihre Zeichnungen besitzen die Fähigkeit, unsere sensiblen urbanen Erfahrungen differenziert wahrzunehmen, zu übersetzen, zu offenbaren und zu enthüllen.

Die Installationen erweitern den Raum der Zeichnungen und verbinden sie thematisch mit dem Mensch-Tier-Thema.

 

Einladung als PDF

 

VON ZEICHEN
Franziska Lauber gepard14. 10. August bis 12. August 2018

worte wählen und wieviele - im unmittelbaren unvorhersehenden
eine annäherung an die werke von Franziska Lauber

willkommen geheissen werden wir von zeichnungen, neben sich anlehnenden filigranen
objekten im eingang, der wie eine passage durch einen angrenzenden raum in einen
arbeitsraum der künstlerin - der vergangenen wochen – führt.

wir treten ein, der blick weitet sich. die augen sind frei, frei sich zu bewegen. sie reihen bild an bild, wie in einem film. ecken, fenster, raumstrukturen die zuweilen den blick verstellen, ihn umlenken – lassen die zeichen wiederholt in andere dimensionen kippen - jede zeichnung ein neuland – ein indirektes bild der zeit

je nachdem wie nah oder wie entfernt wir uns bewegen
justieren, verorten wir uns aufs neue
über zeiten hinweg zu morgen,
ins gestern doch gar heute

die zeit zusammengehalten durch präzise gesetzte, lesbar zeichen entsteht durch das vorher und nachher der bewegung. das zeit-bild befreit sie aus ihrer abhängigkeit davon, doch die zeit hebt das bewegungs-bild nicht auf.

VON ZEICHEN entstand in der auseinandersetzung mit den diversen von menschenhand
hervorgebrachten konstruktionen im quartier. durch festhalten der visuellen eindrücke in zeichnerischen momentaufnahmen in diesem erweiterten arbeitraum der künstlerin. über unsren köpfen leitungen, kabel, linien am horizont stossen wir unterwegs auf absperrungen, sehen schilder, hinweise die den öffentlichen raum ordnen und organisieren.

da ist wiederholung, sie steht als übertragung für die kaum fassbare komplexität unseres hypermodernen schnellen lebensraumes. ein raum, den es immer wieder neu auszurichten gilt. so entstehen flüchtige situative urbane landschaften, es sind scheinbar einfache momente die unserer gewohnte wahrnehmung des beiläufigen und erwarteten auf die probe stellen.

die zeichnungen spielen mit einer spannung von bekanntem und fremden, von hier wie da und dort und umso näher man sie betrachtet, umso mehr irritiert es unsere augen, die sich im bild nicht mehr wirklich zurechtfinden. die räumlichen bedingungen des quartiers sind nicht eindeutig, und verunsichern gleichzeitig unseren blick. was sehen wir?

VON ZEICHEN spannt fäden über den blattrand hinaus und was über das hinaus geht hat

keinen anfang noch end
manches blatt wirft schwebend fragen auf
in den intervallen, den zwischenräume
gleich einem rhythmus wie eine ferne musik

passagen einer chronik
die anderswo zur vision wird

1Gilles Deleuze Cinema 2.L'image temps, S. 340 (Gilles Deleuze in Words as Doors in Language, Art & Film)

die zeit ein auf und ab - begangene wege
von hier nach da – dazwischen - antworten?
zu viel von allem
- wo soll ich anhalten

unerwartetes - und das was danach kommt
verschwindet im winkel des sehens

die Künstlerin (Franziska Lauber) hat sich durch den ihnen bekannten öffentlichen raum, sehend und hörend vor und zurück bewegt . ihn ins leben hinein gefangen- gezeichnet, das zwischen gedanken und räumen, wege und spuren in unserer wirklichkeit hinterlässt.

nach ihrer artist in residence hat sie an diesem ort der begegnung, eine visuelle sprache für ihre forschung der mensch-tier-beziehung und urbanen räumlichkeiten in einer neuen fährte erfasst, so dass wir ihr folgen können in unserer eigenen geschwindigkeit.

keine spur die schreit, welche FL gelegt hat, jedoch eine - welche uns die feinen nuancen des sich ständig verändernden dynamischen lebens nahebringt wie uns ebenso auf die unspektakulären dinge des gewohnten aufmerksam werden lässt. den alltag vermengt sich mit erinnerung, eigener und fremder erfahrung.

unterliegt unsere erinnerung nicht einer nachbildung, dessen was uns im gedächtnis bleibt? ein nach-bild: eine anlehnung an das künstliche in der umgebung, die anklingt und als metapher sich in der achtsamkeit fordernden transparenten neonfarbe manifestiert. synthetisch hergestellt verweist sie in ihrer eigenschaft und materialität als farbstoff einzig auf eine fläche innerhalb des bildes

das erkennen wirft falten - glättet sich
waldfeen – hingeworfenen stabmuscheln
morgens am rand des meeres - welches es hier nicht mehr gibt
organische sedimente - eine behausung - die ich mir umlegen kann
in dessen schutz ich mich zurückziehen kann

die strengen linien der zeichen im öffentlichen raum sind rückgängig ins organische übersetzt. die neonfarbe bringt die klaren linien zurück in die geformte umwelt und über höht so vielleicht die künstlichkeit in unserer hypermodernen gesellschaft. ein mögliches sinnbild für die komplexität, aber auch den zeitlichen wandel, den wir seither beschritten haben und zugleich eine rückblende an damals, wie auch eine re-integration in den heutigen kontext.

so werden blatt für blatt die zeichen - linien aus ihrem zusammenhang entnommen, stehen unabhängig da und sind der anfänglichen grundlage enthoben.
da wo wir uns tag für tag bewegen, treffen wir auf die konstruierte welt. hier im raum – der eine private zone bildet – da wo objekte, wesen, flora und fauna uns begegnen finden wir das organisch geformte. abgebildete natur - die in Ihrem inneren gerüst überwiegend aus

1Gilles Deleuze Cinema 2.L'image temps, S. 340 (Gilles Deleuze in Words as Doors in Language, Art & Film)

papiermaché, ummantelt mit porzellanweiss – wie ein echo zu den zeichen der bilder –
besteht.

da geht es um schutz und gefahr, wie wir unsere umwelt gestalten, ausschliessen, einbezie hen, sie verändern. um das was uns umgibt, "was wir menschen manipulieren". im urbanen raum – welcher sowohl privat wie auch öffentlich geworden ist. (einst beherbergte ein nebengebäude das landwirtschaftliche versuchslabor für tiere)

zu unseren füssen – die insekten, sie sind bereit, wissbegierig, still, aufmerksam und ebenso abwartend um das ruhende schlafende wesen versammelt in einem perfekt ausgemessenen kreis. «nicht-menschliche tiere - zitat Franziska Lauber - formieren niemals einen perfekten kreis. so sind die insekten manipuliert - mit dem kreis und mit ihrer eigenen form. die spannung der kreislinie scheint sie gefangen zu halten, doch auch gemeinsam stark zu machen. den innerhalb des kreises sind sie in wiederkehrenden wellengleicher anordnung von gross nach klein nach gross angeordnet und ausbalanciert. worauf warten sie?»

der hund hat seinen schlaf – im schutz des insektenkreises – vielleicht schützt er genauso die flügelwesen? über ihnen thront in seiner nacktheit ein ast – verbindet oben und unten – weist auf die tiere am boden hin. und über die aufgetragene markierung auf dem weissen ast - gleitet unser blick nach aussen in den urbanen raum – und bemerkt so bekanntes;
leitungen, schilder, linien am horizont - resonanzen - VON ZEICHEN

der immer wiederkehrende prozess des erkennens, beobachtens und hinterfragens – mit dem alltäglichen entlang den systemgrenzen, den rändern . eine aufforderung der künstlerin an uns zur auseinandersetzung in ihrer forschung mit der bestehenden menschtier- beziehung und der urbanen räumlichkeit. führt die geschichte in ein bild und zurück in dessen Inhalt oder verführt uns allein das bild?

«Was das Wort ausspricht, ist auch das Unsichtbare, das das Sehen nur als seherisches sieht, und was das Sehen sieht, ist das Unsagbare, das das Wort ausspricht.»
Gilles Deleuze1

eindrücklich, fragil, und mit zarter, manch messerscharfer linie…
archaische momente - ausserhalb der zeit - dennoch präsent

die brechung des lichts hinter den zeichen
ist zugleich entstanden - hat sich hinübergerettet

worte wählen – und wie viele
vorhersehbare unregelmässigkeit
im aussen und innen


VON ZEICHEN in den elementen der humanen kultur des quartiers
Gabriella Disler, Basel 2018



1Gilles Deleuze Cinema 2.L'image temps, S. 340
(Gilles Deleuze in Words as Doors in Language, Art & Film)

 

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